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“Die wichtigste Quelle für das Gebet
ist die Heilige Schrift, die mit Hingabe, Demut und Ehrfurcht gelesen sein will, damit die Worte sich in unser Herz senken.“
Columba Marmion OSB

P. Eugen, Tanzender Engel

 

“...und gehen wir unter der Führung des Evangeliums seine Wege...“
RB Prolog, 21“Ist denn nicht jede Seite
oder jedes von Gott beglaubigte Wort des Alten und Neuen Testamentes eine verlässliche Wegweisung für das menschliche Leben?“ RB 73,3
“Bilder des Schmeckens
steigen in den Menschen auf,
die das Wort Gottes mit den Lippen lesen.“
Jean Leclerq OSB

Geistliche Lesung

Gottes Wort ertasten

Der heilige Benedikt sieht in der Tagesordnung seiner Klosterregel neben der Zeit fürs Gebet und die Arbeit mehrere Stunden für die geistliche Lesung, die Lectio divina, vor. Darunter versteht er das Lesen und meditieren der heiligen Schriften des Alten und Neuen Testaments.
Die geistliche Lesung führt von der Lesung zur Meditation, die einmündet ins Gebet als Antwort des Menschen auf Gottes Wort.

Lesen

Die Mönche der Antike und des Mittelalters haben stets "mit den Lippen" gelesen. Sie haben nicht still und bloss mit den Augen gelesen, sondern die Worte mindestens leise gesprochen. Das kann auch heute eine grosse Hilfe sein, das gelesene Wort bewusster aufzunehmen. Das Erlebnis der Sinne ist auf diese Weise ein stärkeres und prägenderes.

Besinnen

Das Gelesene wird bedacht und erlebt. Im Innehalten und in der Wiederholung gehen einem oft ganz neue Bedeutungen auf, es erschliessen sich Zusammenhänge, die einem beim einmaligen Drüberlesen verschlossen bleiben. Im Nachsinnen wandeln sich Worte zu Bildern. Diesen Bildern gilt es Raum zu geben. Dafür braucht es Zeit. Es ist geschenkte freie Zeit, weil das, was hier entstehen kann nicht gemessen und beurteilt werden muss.

Beten

Beten ist sprechen mit Gott, antworten auf sein Wort. Der Beter spricht zu Gott die Sehnsuchtsbilder aus, die in der Meditation des gelesenen Wortes entstanden sind. Bilder der Hoffnung, Bilder der Angst, Bilder der Vergangenheit und Bilder der Zukunft werden jetzt vor Gott getragen und ihm zur Wandlung anvertraut.

Grössere Offenheit, tiefere Einsicht und die Bereitschaft, sich durch Gott im Leben beschenken zu lassen, das ist das Ziel der regelmässigen Begegnung mit Gottes Wort in der geistlichen Lesung.